Chronik

Chronik des denkwürdigen Turniers zu Mariastein, wiederentdeckt und vorgetragen in Hofstetten am 14. August 2026
Während der Instandsetzung der Pfarrkirche St. Nikolaus sind im Turm erstaunliche Funde ans Tageslicht gekommen. Eingemauert in den Turm war eine Schatulle, darin fand sich ein Dokument in alter Schrift. Die musste man mühsam entziffern und ins heutige Deutsch übersetzen. Hier der Inhalt in allgemein verständlicher Form:

An einem Ritterturnier im dunkeln Mittelalter trafen sich viele Junker und Ritter mit ihrem Gefolge. Dort, wo später der etwas gewöhnungsbedürftige Klosterplatz von Mariastein liegt, da war das Feld, auf dem das Turnier stattfand. Die Ritter liessen sich samt Rüstung mit einem Kran auf ihre Rosse heben, gaben ihren Pferden die Sporen und versuchten, mit ihren Lanzen ihre Gegner aus dem Sattel zu heben. Wie sie sich aber auch nur bemühten, die Rosse wichen sich aus, die Riter fluchten, alle blieben im Sattel. Niemand konnte eine Lanze brechen für seine Ehre, alle Herren waren in gleicher Weise erfolglos. Was war da los? Es ging da nicht mit rechten Dingen zu. Sonst fielen die Ritter reihenweise von ihren Schlachtrössern, brachen sich ein Bein oder eine Rippe oder beides. Wer im Sattel blieb, stolzierte freudestrahlend vor der Tribüne und erhielt einen Siegeskranz und vielleicht auch die Gunst einer schönen Dame. Auch der Preisgeld aus den Werbeeinnahmen war nicht zu verachten. Hier und jetzt war aber nichts los, kein Gewinner, kein Verlierer, keine Kränze, kein Ruhm. Seltsame Ruhe breitete sich aus über dem Turnierplatz. Eine ewige Trinkpause war eigentlich nicht vorgesehen. War das ein Wink der höheren Macht, das da alle unter dem Schutz der Gottesmutter Maria standen? Hier war kein Streit gefragt, sondern Eintracht, Frieden, Glaube, Liebe, Hoffnung auf ruhige Zeiten und gutes Einvernehmen.

 

Unter den Hufen der schwer beladenen Pferde war der Boden ganz aufgewühlt. Von der Tribüne aus sah man dem seltsamen Treiben der vom Frieden überwältigten Ritter belustigt zu. Was gab es da nicht zu reden, zu kommentieren – wie später an Fussballturnieren, an denen bestenfalls im Elfmeterschiessen ein Tor fiel. Nun, damals waren die kostbaren Rüstungen, die bunten Helmbüsche, die edlen Wappen, das schöne Zaumzeug der prächtigen Pferde eine Augenweide. Einem Kind fiel auf, dass am Boden seltsame glänzende Gegenstände zum Vorschein kamen, je länger sich die Ritter mit ihren sportlichen Künsten abmühten. Das Kind zog seiner Mutter an den weiten Ärmeln, fuchtelte aufgeregt mit den Ärmchen und hätte ihr vor Aufregung sogar noch die Haube samt Schleier heruntergerissen. Nun sah auch die Mutter, was das Kind meinte. Sie ging höchstpersönlich zum Schiedsrichter und wies ihn auf die Gefahr hin. Was suchte ein Rost auf einem Turnierplatz? Dem Wunsch der edlen Dame, das Turnier wegen ‚unerlaubter Gegenstände auf dem Spielfeld‘ abzubrechen, kam der Oberschiedsrichter bereitwillig nach. Auch der Video-Schiedsrichter hatte nach längerem Zögern schliesslich doch keine Einwände. Die Nachspielzeit war eh schon vorbei.

Der Turnier-Schiedsrichter gab das Zeichen zum Abbruch. Es kehrte Ruhe ein auf dem aufgewühlten Turnierplatz. Von den Rängen ertönte nun ein erstauntes Stimmengewirr: Wir sehen einen wunderschön geformten Eisenrost! Da liegen ein Bischofshut, Mitra genannt, ein Bischofsstab, da sehen wir drei goldene Äpfel, da ist ein langer Kreuzstab, ein rauer Fellumhang, ein Wagenrad, ein Schwert und ein Mantel, der zur Hälfte durchgeschnitten ist …

Des Rätsels Lösung fand sich schnell: Ein Bettelmönch wusste sofort Bescheid. Es waren die Insignien der heiligen Laurentius, Remigius, Nikolaus, Johannes des Täufers, der heiligen Katharina von Alexandrien und des Heiligen Martin von Tours.

Kurzerhand beschloss man eine Kollekte, auch die damalige Vorläuferin der Fifa gab sich ausnahmsweise generös. Es wurden im Gedenken an dieses denkwürdige Ereignis mehrere bleibende Zeugnisse errichtet. Kirchenbauten markierten das umliegende Gebiet, das man später den wunderbaren „Pastoralraum Solothurnisches Leimental“ nannte.

Dem Laurentius baute man in Rodersdorf eine schöne Kirche, Remigius bekam in Metzerlen eine ebenso schöne, etwas grössere Kirche, Nikolaus bekam in Hofstetten einen würdigen Platz, Johannes der Täufer durfte in Burg in der Schlosskapelle eine Gedenkstätte haben. Katharina zu Ehren errichtete man in Witterswil ein Gotteshaus, In Bättwil schliesslich wurde dem heiligen Martin eine schmucke Kapelle geweiht.

All diese Bauwerke stehen heute noch und werden in Ehren gehalten – dank dem denkwürdigen Ritterturnier zu Mariastein im finsteren Mittelalter. Von da an endete die finstere Zeit. Unsere Region wurde mit einem Schlag zu einer gottesfürchtigen, blühenden, lebensfrohen, strahlend schönen, friedlichen Gegend  und blieb so bis heute.   

Anmerkung des Verfassers: Die Geschichte ist frei erfunden. Aber der Kern der Geschichte stimmt und somit auch wahr, was über unsere Gegend und über unsere Kirche erzählt wird. Wir haben nämlich folgende Schutzpatrone mit folgenden Insig­nien im Solothurnischen Leimental, inklusive in unserer Bastion im basellandschaft­lichen Leimental in Burg:

St. Laurentius Rodersdorf – 
glühender Eisenrost

St. Remigius Metzerlen-Mariastein – 
Mitra, ein Bischofsstab und kleine Ampulle (=Ölfläschchen)

St. Nikolaus Hofstetten-Flüh –        
drei goldene Äpfel

St. Johannes Burg i. L. –                   
Agnus Dei (Lamm Gottes) mit Sieges-fahne / langem Kreuzstab / rauem Fellumhang

St. Katharina Witterswil –           
Rad

St. Martin Bättwil  –                     
Schwert und Mantel

Wer Näheres wissen will, schaut in der Legenda Aurea des Jacobus von Voragine nach. 

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